Richtungsänderung - Ich will nach Norden

Mein letzter Radtag auf dieser Tour war am 13. Mai 2024. In Formia Nähe Neapel hatte ich umgedreht und bin mit dem Zug nach Hause zurück. Anlass war der Tod meiner Mutter. Es hieß von ihr Abschied nehmen. Das Radfahren hatte daher Pause. Anderes und Wichtigeres rückte eine Zeit lang in den Vordergrund. 

 

Als sich mein Leben dann wieder in gewohnten Bahnen einzupendeln begann, war die Lust aufs Radfahren wieder da. Nur die Richtung schien mir nicht mehr ganz zu passen. Denn in den Süden wollen im anstehenden Sommer doch wohl recht viele, ging es mir durch den Kopf. Und so spontan wie mir diese Richtung Mitte April in den Sinn gekommen ist, so schnell war ich jetzt zu einer Änderung bereit. Richtung Norden, war meine neue Festlegung. Damit musste ich mir auch keine großen Gedanken mehr machen, wo ich denn meine Tour fortsetze. Natürlich von Zuhause. Da brauche ich keinen Zug oder was anderes. Da kann ich ganz spontan starten. Einfach die lange Regenperiode abklingen lassen, und dann los.

 

Neustart - Wieder von zu Hause los

4. Juni 2024

Durchs schöne Toggenburg Richtung Bodensee

Welch herrlicher Morgen. Nach all den Regentagen endlich wieder Sonne, und das schon in der Früh. Das Losfahren machte also Spaß. Die ersten paar Meter waren zwar etwas ungewohnt. Mit Gepäck fährt es sich doch etwas anders. Vielleicht war meine Radpause zu lange. Doch schnell hatte ich meinen Rhythmus wieder gefunden. Nur mein Navi brauchte etwas länger. Es war wohl in Gedanken noch in Italien. Bis ich das Rheintal gequert und die Steigung nach Wildhaus anging, zeigte die Anzeige aber Schweizer Straßen.

 

Bei der Rheinbrücke davor meinte ich noch, dass der Fluss gar nicht so viel Wasser führt, auch wenn das Bett schon gut gefüllt war. Mehr Wasser gab es dann in den kleinen Bächen bergwärts. Auch manche Wiesensenke im Toggenburg stand unter Wasser. Irgendwann begleiteten mich kurz zwei Hubschrauber. Sie besichtigten von oben einen Erdrutsch. Ein fast hausgroßer Felsblock war auf einer senfbraunen Spur durch den Wald heruntergerutscht. Bei der Abbruchstelle oben schaute es so aus, als ob noch mehr nachkommen könnte. Doch das Bauernanwesen unten schien mir nicht gefährdet.

 

Mir gefielen die Holzhäuser der Bauernhöfe mit ihren Steildächern und den weiß umfassten Reihenfenstern sehr. Einzelstehend im satten Wiesengrün waren sie zusammen mit den Ställen oder Scheunen eine Augenpracht. Einige Käsereien lagen auch am Weg. Dort kommt wohl die Milch hin, die vorher in den metallenen Milchkannen gesammelt wurde. Jetzt am späten Vormittag lehnten diese kopfüber zum Trocknen an vielen Stallwänden in der Sonne. Oder sie wurden gerade gebürstet und geputzt.

 

Später nahm der Verkehr dann etwas zu. Kleine Weiler, größere Städte, Richtung Bodensee war es auf meiner Route umtriebiger als zuvor. Mir hat der erste Radtag nach der längeren Pause sehr gefallen. Am Vormittag eine kräftige Steigung, und dann ein mehr oder weniger flaches Dahinrollen durch üppig grüne Wiesen und Obstplantagen bei angenehmer Temperatur. Das Toggenburg und auch der danach folgende Thurgau zeigten sich von einer angenehmen Seite.

 

5. Juni 2024

Rushhour am Morgen und Brennnesseln am Nachmittag

Bei angenehmer Morgenfrische starte ich schon recht früh in den Tag. Am Radweg bin ich allein, während es auf der Straße recht geschäftig zugeht. Wahrscheinlich riechen sie auch in den Autos den schweren Duft, der hier die ganze ländliche Gegend einhüllt. Es liegen einige Schweinemastbetriebe am Weg. Ihre Ställe sind zwar unscheinbar, doch dafür ist ihr Geruchsausstoß umso auffälliger. Es stinkt, dass mir die schöne Landschaft mit den Getreidefeldern und der sie meist umrahmenden roten Mohngürtel gar nicht richtig gefallen will. Zum Glück tut sich jedoch bald der Blick auf den Bodensee auf. Damit wechsle ich für kurze Zeit vom Land in die Stadt.

 

In Konstanz komme ich in die morgendliche Hauptverkehrszeit. Ich staune, wie emsig es hier auf dem Radwegenetz zugeht. Vom leichten Faltrad bis zum schweren Lastenrad, vom schnellen Renner bis zum trägen Einkaufsrad, es wurlt und quillt aus allen Himmelsrichtungen. Und das mit und ohne Helm, im T-Shirt oder in der Winterjacke, mit kurzer Hose oder im noblen Anzug, mit Klingel oder schleifender, trockener Kette. Wahrscheinlich sind sie am Weg zur Schule, zur Uni, ins Büro, zum Arzt oder zum Einkaufen. Jedenfalls nicht so wie ich mit Gepäck auf großer Reise und einfach so der Nase nach. Es gefällt mir, im morgendlichen Strom der Fahrräder mitzuschwimmen, und irgendwann dann stadtauswärts abzubiegen.

 

Anstelle der Fähre über den Unterarm des Bodensees wähle ich die Straße rundum. Das sollte sich lohnen. Ich musste zwar ein paar Höhenmeter machen, doch die Abfahrt durch den Wald wieder hinunter zum See war erste Sahne. In kühler Luft kurvig und rasant hinunterstechen, das war zum Juchzen. Den Rest des Tages fahre ich durch lichte Waldteile und viel hügeliges Wiesengrün mit einigen kleinen Ortschaften am Weg. Die Richtung gibt ein Gewässer vor, dessen Windungen ich lange folge. Es ist schön anzuschauen. Nur ein Mal macht sich Ärger breit. Ich hole mir nasse Füße, und von Brennnesseln jede Menge Pusteln an den Beinen. Ich hatte nämlich am Radweg ein Fahrverbot wegen Hochwasser ignoriert. Zum Weiterkommen musste ich dann kräftig improvisieren. Mit Schieben durch Gestrüpp und über Geleise kam ich weiter. Danach dachte ich mir dann, dass so eine Wegvariante auch nur mir einfallen kann. Doch dass es geklappt hat, freute mich schon. Und die nassen Füße waren mit kräftig strampeln dann auch bald wieder trocken.

 

6. Juni 2024

Panzerstraße und Hochwasserschlamm

Hmm, dachte ich mir beim Losfahren heute, das hatte ich nun wirklich nicht erwartet. Denn es lag Nebel über der Landschaft und beschlug meine Brille. Oben meinte ich, ein paar helle Flecken erkennen zu können. Doch herunten war es gar nicht so kuschelig zum Fahren. Und irgendwann war dann gar Stopp. Die Straße war gesperrt. Umleitungsschild konnte ich keines erkennen. Etwas ratlos versuchte ich mich zu orientieren. Zum Glück half mir ein Busfahrer weiter. Er empfahl mir, das Fahrverbot zu ignorieren, und die nur für Linienbusse vorgesehene schmale Ersatzstraße ein paar Wiesenfelder weiter zu nehmen. Die Hauptstraße sei wegen eines Erdrutsches nicht befahrbar. Und so ließ ich den Nebel hinter mir und folgte im Konvoi den Bussen hinunter ins Tal. Gut gegangen sagte ich zu mir, und staunte, wie viele Autos unten plötzlich von der für sie bestimmten Umleitungsroute kommend auftauchten.

 

In der Stadt Tübingen staunte ich dann ob der prächtigen Fachwerksbauten. Und ein weiteres Mal ob der mir lautstark via offenem Seitenfenster zuteil gewordenen Belehrung eines wild gestikulierenden Autofahrers. Er echauffierte sich darüber, dass ich bei einigen Ampeln die Rotphase nicht beachtet hatte. Ich war einfach früher losgefahren, weil es keinen einbiegenden Querverkehr mehr gab. Deutsches Pflichtbewusstsein im Verkehr zeigt sich also dann sicher, wenn es gegen Radfahrer gehen kann.

 

Weil recht viele Ortschaften und Städte auf meiner Route lagen, war das Fahren etwas zäh. Brav den Radwegen folgend, war es manchmal eher einem Hindernisparcours gleichend. Doch ich kam voran. Und etwas schneller dann auf einer Radschnellstraße wunderbar geradeaus durch schattenspendenden Wald. Am Ende las ich auf einem großen Schild, dass diese Straße in den 1930er-Jahren eigens für Panzer errichtet wurde, weil deren Kasernen hier in der Umgebung lagen.

 

Am späten Nachmittag erreichte ich den Neckar-Fluss. Der Radweg folgte seinen Biegungen. Auf der Karte war der Fluss in hellem Blau eingezeichnet. Doch in natura war er jetzt eine dunkelbraune Brühe. Hochwasserführend war der Neckar an einigen Stellen zudem über die Ufer getreten. Und dort, wo mit Aufräumungsarbeiten schon begonnen wurde, schoben sie mit Maschinen den Schlamm zur Seite. Einige Male musste ich Umwege fahren, weil der Radweg nicht passierbar war. Ein paar Tage früher wäre hier wohl überhaupt nichts gegangen.

 

7. Juni 2024

Waldwege pur

Kaum aus der Stadt raus, finde ich den Radweg, der mich durch einen Wald führt. Ich bin allein, und doch ist die Geräuschkulisse wie auf der Straße zuvor. Denn diese läuft kurz parallel zu meinem Weg etwas entfernt auf der anderen Seite des Baches. Die nicht sehr hohe, das Tal seitlich begrenzende, Felswand dahinter trägt mir den Lärm der vielen Lastautos zu. Auch wenn die Straße leicht grobschottrig ist, und ich mit Fahren gefordert bin, gefällt es mir hier auf meiner Seite dennoch besser. Kein Verkehr kann einem immer erfreuen. Und die Straße für mich allein zu haben, sowieso.

 

Irgendwann mache ich an einem kleinen Weiher Rast. Eine Bank lädt ein. Sich in der Sonne zurücklehnen und rundum schauen ist das Programm, und Humus mit Brot und Honigtomaten gibt es auch noch. Etwas weiter vorne sonnen sich drei Schildkröten im Gras. Eine große und wahrscheinlich ihre zwei Jungen. Doch als ich für ein Foto ein paar Schritte auf sie zu mache, tauchen sie ungemein flink ins Wasser ab. Die steile Uferböschung ist ihre Rutschbahn.

 

Das Wasser ist ruhig, jedoch auch ziemlich trüb. Nur schemenhaft kann ich die Rückenflosse eines großen Fisches erkennen, der das Ufer mit reichlich Respektabstand abzupatrouillieren scheint. Der bei seinen Schwimmzügen sich lang machende Frosch stört ihn anscheinend nicht. Irgendwann sehe ich zwei braunweiße Gänse im Landeanflug. Total imponierend, wie schnell sie ohne Flügelschlag daherkommen, und dann ihre Füße als Fahrwerk nach vorne strecken. Ihre erfolgreiche Landung kann ich leider nicht sehen, nur das Pflatschen hören. Später putzen sie sich am Wiesenrand. Ein paar Federn fliegen davon, als sie mir voll Stolz ihre ganze Flügelspannweite zeigen.

 

Libellen sind auch zugegen. Sie tanzen überm Wasser, und fliegen dann himmelhoch weg. Eine Schar kleiner Vögel fliegt wassernah dahin. Immer wieder spritzt es auf, als sie mit ihren Flügeln das Wasser berühren. Mit den Schnäbeln fangen sie etwas auf. Ich meine, dass es wohl Mücken sind. Und so plötzlich wie sie aufgetaucht sind, sind sie auch wieder irgendwohin verschwunden.

 

Ich brauche etwas länger, um mich zum Weiterfahren aufzuraffen. Die Sonne hat mich müde gemacht. Oder es könnte auch die Steigung sein, die mich gleich erwarten wird. Ich habe sie auf der Karte entdeckt, und meine Pause gleich verlängert. Gut geschafft habe ich sie danach doch. Sie lag im schattigen Wald. Und das Wegstück, das ich schiebend zurücklegen musste, war nur ganz kurz. Lang war danach jedoch die Abfahrt. Bei nur leichtem Gefälle rollte ich im Wald einen Höhenweg dahin. Das war erste Sahne. Mir schien, als ob die Abfahrt nie enden wollte. Wunderbar. Die Radwege im Odenwald wussten zu gefallen.

 

Später ging es dann flach einem breiten Fluss entlang. Main war angeschrieben. Die Farbe nicht. Auf die waren sie hier vielleicht auch gar nicht so stolz jetzt. Denn es war eine dunkelbraune Brühe. Wie eine angebrannte Brennsuppe, fiel mir als Vergleich ein. Doch zum Fahren war es daneben ganz nett. Im Gegensatz zu den Waldwegen davor waren hier recht viele Freizeitradler anzutreffen. Gemächlich, und geschätzt alle mit Elektroantrieb ausgestattet, bevölkerten sie den Radweg in beide Richtungen.

 

8. Juni 2024

Gelati im Wiesengrün

Das Frühstück gibt es heute unterwegs. Joghurt und Banane schmecken unter einem schattenspendenden Nussbaum gut. Die Beine lasse ich mir von der Sonne wärmen. Am blauen Himmel oben herrscht reger Verkehr. Ich nehme an, dass sie alle Richtung Frankfurt fliegen, und hier über mir vielleicht schon mit dem Landeanflug beginnen. Die Flugzeuge wirken ganz nah.

 

Mein Weg führt mich heute zumeist Wiesen entlang. Es liegt ein angenehmer Duft in der Luft. Es riecht nach Heu. Links von der Straße ist das Gras gerade frisch gemäht. Rechts von ihr ist es schon gut angetrocknet. Vom Kreiseln liegen immer wieder aufgewirbelte Grashalme auf dem Radweg. Es gefällt mir, ein bisschen Slalom zu fahren. Andere Radfahrer bevorzugen die gerade Linie, und fahren über die Heubüschel hinweg. Auf einem der Wiesen ist das Mähen gerade im Gang. Ein Storch schaut interessiert zu. Und kaum hat ihn der Traktor passiert, schreitet er die Grasmahd ab und inspiziert den Boden daneben. Wahrscheinlich ist er auf ein spätes Frühstück aus. Oder er sucht schon das Menü für mittags zusammen.

 

Die Wiesen begleiten mich heute den ganzen Tag, die Heuernte ebenso. Und weil ich immer auf den Radwegen fahre, treffe ich auch auf recht viel Radfahrer. Rund um die größeren Orte sind einige Rennradgruppen unterwegs. Die sind bedeutend schneller als ich. Ich bewundere deren flottes Tempo. Doch mit meinem bin ich auch zufrieden, abwärts noch mehr als aufwärts.

 

Am Nachmittag wundere ich mich, dass bei einer Weggabelung mitten im Grünland ein Eiswagen steht. Ich mache bereitwillig Pause und kehre zu. Es gibt Erdbeere mit Haselnuss. Etwas später trudeln dann jede Menge Mercedes-Oldtimer ein, und parken in der Wiese. Der Veteranenclub hatte demnach den Eiswagen für sie bestellt, als Attraktion oder Abwechslung auf ihrer samstäglichen Ausfahrt. Und auf der Steinmauer einer kleinen Bogenbrücke etwas weiter auf dem Weg hatte sich schon ein Fotograf platziert. Doch für mich und mein großartiges Fahrrad interessierte sich der Kameramann nicht. Dabei wäre es von mir sicher auch ein schöner Schnappschuss geworden, mit den Resten vom Haselnusseis im Mundwinkel. Ein paar Schnappschüsse holte ich dann abends nach: Fachwerkhäuser noch und noch, märchenhaft.

 

9. Juni 2024

Sonntagsradeln auf Fuldaradweg und anderen

Gleich nach den ersten paar Kilometern gelange ich auf ein herrliches Radwegstück. Es führt mich mit vielen Windungen an einem Gewässer entlang. Später lese ich an einem Schild, dass es die Fulda ist. Der Weg war etwas erhöht auf einem Damm. Links und rechts war er von Bäumen gesäumt. Ich meinte, dass es Erlen waren. Sie bildeten ein breites, hohes Dach über den Weg. Seitlich schimmerte die Sonne durch. Auf dem guten Belag war es ein wunderbares Fahren. Vogelrufe waren zu hören, irgendwann auch ganz nah, laut und klar ein Kuckuck. Ein feiner Sonntagmorgen. Nur um die Ohren war mir etwas kalt. Abhilfe schaffte für ein paar Stunden meine Mütze. Erst spät am Vormittag wärmte die Sonne ausgiebig. Damit war auch der leichte Wind auf den offenen Wiesen erträglich.

 

Als ein Schild mit der Aufschrift Landbäckerei auftauchte, musste ich natürlich zukehren. Ohne Frühstück losgefahren, hatte ich schon zeitig am Vormittag Hunger. Das garnierte Käsebrötchen hatten sie auf Nachfrage frisch zubereitet. Ich genoss es auf der Terrasse. Und orderte dann zum Rhabarberkuchen gleich noch ein zweites dazu, weil es mir so gut geschmeckt hat. Ein Sonntagsfrühstück also.

 

Neben mir hatte ein kräftig gebauter E-Mountainbiker Platz genommen. Ich musste schmunzeln, als ich nach längerem Starren auf seine Lenkertasche das Rätsel um eine vermeintliche orange Warnleuchte auflöste: Es war kein Blinklicht, sondern nur der orange Verschluss einer seitlich eingesteckten Trinkflasche. Er hatte noch jede Menge andere Halterungen am Lenker, und auf Grund seines Gehabes traute ich ihm eine Sirene am Fahrrad tatsächlich zu. Doch ins Gespräch mit ihm kam ich nicht. Er war rasch wieder aufgebrochen, und hatte seinen Einkauf in seiner Satteltasche verstaut.

 

Abends verfolgte ich die ersten Trendergebnisse der Europawahl. Die Wahlplakate mit ihren oft sinnbefreiten Sprüchen hatten mich hier die ganze bisherige Tour in den Ortschaften und Städten begleitet. Komisch dachte ich mir dabei, dass eine so schöne ländliche Landschaft, wie sie mir eben vorkam, so ein unverständliches Ergebnis bringen kann. Doch daheim in Österreich war es ja auch nicht viel anders. Verkehrte Welt war mein Resümee dazu. Gefreut haben mich nur das Radeln heute, und die Gespräche mit meinen Kindern zum Vatertag.

 

10. Juni 2024

Ein grüner Krake und eine Regenjacke in Grün

War es gestern pipifein mit Fahren übers Land auf Radwegen entlang von Wiesen, so war es heute eher konträr. Aus der Stadt raus war viel Verkehr. Am Morgen noch umso mehr. Und meine gewählte Route führte immer entlang einer der Hauptstraßen. Es war laut vom Rauschen der Fahrzeuge. Und laut war auch mein Fahren, wenn die Betonplatten des Radweges bei ihren Stößen etwas aufgeworfen waren, und mein Rad drüber holperte. Oder wenn die vielen Alleebäume mit ihren Wurzeln den Asphalt uneben machten und nach oben drängten, dann machte es beim Fahren auch einen Rumpler. Manchmal fuhr ich daher auf der Landstraße. Dort war die Fahrbahn plan, doch für die schnellen Autos war ich eher ein Hindernis. Und so suchte ich dann doch wieder die nächste Abbiegung auf den Radweg, und hoffte dort auf gute Verhältnisse. Mein Jammern war wohl auf hohem Niveau. Denn ich kam doch gut voran, auch weil es keine großen Steigungen mehr gab.

 

Ich meinte, in Hessen war das Radeln besser als heute hier in Niedersachsen. Und bei den Landbäckereien gibt es auch Unterschiede. Mit großer Vorfreude bin ich heute nämlich wieder bei einer zugekehrt. Doch wenn das Personal unfreundlich wirkt, dann will einem auch das Brot nicht so richtig schmecken. Ich hatte daher auf eine Nachbestellung verzichtet.

 

Bei einem riesengroßen Kartoffelfeld wurden gerade Spritzarbeiten vorgenommen. Ich staunte, wie lang die Auslegerarme mit den Düsen waren, und wie mächtig der den Behälter ziehende grüne Traktor. Großes Feld bedingt auch großes Fuhrwerk. Von der Weite sah es so aus, als ob ein grüner Krake mit zwei schwarzen Fangarmen sich im Acker bewegen würde.

 

Irgendwann kam ich bei Alfeld durch. Historische Altstadt mit Fachwerkstraße war angeschrieben. Und dann noch irgendwas mit UNESCO Welterbe für ein Fabriksgebäude des Faguswerkes. Dessen Errichtung habe vor mehr als 100 Jahren eine neue Epoche moderner Industriebauten eingeläutet, konnte ich im Vorbeifahren auf einer Infotafel mit vielen Fotos aus der Gründerzeit lesen.

 

Etwas später interessierte ich mich dann etwas mehr für die aufkommenden Wolken am Himmel. Es hatte leicht zu nieseln begonnen. Doch die Alleebäume schirmten mit ihrem Blätterdach eine Zeit lang weitestgehend ab. Nur als das Nieseln in leichten, anhaltenden Regen überging, war es aus mit lustig unterm Dach. Die letzten Kilometer bis zum Etappenziel Hannover ging es daher in meiner grünen Regenjacke weiter. Vielleicht hielten mich die Autofahrer auch für einen Kraken, einen mit schwarzen Fangtaschen hinten dran.

 

11. Juni 2024

Mit zwei Bauern in der Imbissbude

Ein strammer Wind blies mir gleich schon beim Aufsteigen aufs Rad ins Gesicht. Die noch vorhandenen Regenpfützen auf der Straße ließ er kräuseln. Keine guten Aussichten also für diesen Tag, zumal für den Nachmittag noch Regen angesagt war. Freuen konnten sich nur die vielen Windräder. Sie drehten sich eifrig. Zum Glück führte meine Route in deren Luv-Richtung. Von den Rotorblättern war ein monotones Rauschen zu hören, ähnlich wie das Surren von Fahrradreifen auf gutem Asphalt. Und am Himmel oben zischten die Wolken beeindruckend schnell dahin.

 

Je weiter nördlich ich kam, desto mehr waren von den Backsteinhäusern zu sehen. Ein paar wenige Reetdächer gab es auch noch. Und typisch war wohl auch die Autobahn für deutsche Verhältnisse. Alle drei Spuren beider Richtungen waren gut belegt. Die Fahrgeräusche waren noch weit in den Wald hinein zu hören, in den ich eingefahren war. Es war ein Heideforst. Ich war schon nah zur Lüneburger Heide unterwegs. Davor waren auf den Äckern Hinweisschilder auf den Verkauf von Heidekartoffeln zu sehen. Mir hat die lange Gerade durch den Wald gefallen. Sie war grob gepflastert. Doch daneben war eine schmale Sandspur, wohl für Fahrradfahrer wie mich. Auf der kam ich gut voran. Etwas Zeit ließ ich danach dann liegen. Ich hatte mir einen Plattfuß eingefahren. Es war ein haardünner kleiner Metallspan, der die Luft entweichen ließ. Mit einer Pinzette konnte ich ihn aus dem Reifen ziehen.

 

Irgendwann kam ich in Bergen-Belsen vorbei. Ein riesiges Militärgelände erstreckte sich weit entlang der Straße. Offensichtlich war gerade eine Übung im Gang. Entfernt waren nämlich Schusssalven zu hören, und gepanzerte Fahrzeuge querten die Straße. Nato-Übungsplatz war auch mal angeschrieben. Ich dachte mir, wie das wohl sein muss, wenn es keine Übung mehr ist, sondern Alltag, wie ein paar hundert Kilometer weiter im Osten, oder an anderen Plätzen der Welt. Und dann kam mir noch die Vergangenheit des Ortes in den Sinn, während des Nationalsozialismus und der letzten Kriegsjahre, als die SS hier ein Konzentrationslager eingerichtet hatte. Im Wald davor heitere Gedanken beim Radeln, jetzt nachdenklich am Pedalieren.

 

Bei der mittäglichen Einkehr in einer Imbissbude war es dann wieder lustig. Zwei Männer tratschten an der Theke und hatten ihren Spaß. Mir stellten sie sich als Bauern vor. Der eine als Kartoffelbauer, der andere als Kofferbauer. Der war nämlich nicht von hier in der Heide gebürtig, sondern mit Koffer zugezogen. Ich gönnte mir dann Bratkartoffeln, und war froh, dass ich bald wieder aufs Rad kam. Und auch, dass es nur eine einmalige Einkehr hier war. Denn jeden Tag denen zuhören zu müssen, muss sicher anstrengender sein als Radfahren. Vielleicht hatte die Frau am Grill auch deshalb einen so breiten Rücken.

 

Später freute ich mich schon, dass ich es heute womöglich ohne Nasswerden bis zum Etappenziel in der Lüneburger Heide schaffe. Doch kaum gedacht, waren die Regenwolken da, und ließen mich bei einem ausladenden Baum eine Zeit lang unterstehen. Und als dann der nächste kräftige Schütter durchzog, hatte ich mein Zimmer schon bezogen, und war mit der Schlauchreparatur und dem Schreiben von Zeilen wie diesen beschäftigt.

 

12. Juni 2024

Die Elbe gequert

Gleich zum Start schon wählte ich eine mutige Route durch den Heideforst. Der normale Fahrweg war vom Regen aufgeweicht. Im nassen Sand ging mit meinen schmalen Reifen nichts weiter. Ich fuhr daher auf dem schmalen Reit- und Wanderweg daneben. Da gefiel es mir weitaus besser. Und ganz gut dann auch, als es leicht abwärts ging. In den Pedalen stehend federte ich die Schläge ab, und genoss das Zirkeln mit dem Lenker zum Finden der besten Wegpassagen.

 

Gut angezogen hatte ich mich schon beim Losfahren. Doch unterwegs legte ich noch eine Westenschicht zu. Auch den mir begegnenden Hundehaltern schien es frisch zu sein. Ohne Mütze sah ich niemanden. Und meine behielt ich den ganzen Tag über an, das Halstuch mit dazu. Ich kam an einigen Pferdekoppeln und Ställen vorbei. Kein Wunder, dass da auch Pferdemist auf meinem Weg lag. Mir schien, er war von gestern und den Tagen davor.

 

Meinen vormittäglichen Jausenplatz wählte ich in der Nähe einer Schule. Das Brot mit dem Aufstrich und den Tomaten konnte ich in Ruhe essen. Doch zur Banane strömten die Kinder dann auf den Fußballplatz daneben. Da wurde es recht laut. Und es flogen nicht nur Bälle hin und her. Auch Frisbeescheiben waren zu sehen. Deren Werfen oder Fangen war ziemlich anspruchsvoll. Denn es gab immer wieder Wind und stark abdriftende Scheiben. Während ich beim Zuschauen trotz meiner vielen Schichten fast fror, waren einige Kinder in kurzen Hosen und Shirts am Platz. Wahrscheinlich ahnten sie schon, dass die Sonne bald hinter den Wolken hervorkommen wird. Deren wärmende Strahlen waren auch für mich wohltuend, jedoch leider nur von kurzer Dauer.

 

Bei der Elbe angekommen blies schon wieder kräftiger Wind. Und nach der Fährfahrt ließen die dunklen Wolken in kurzen Schüben Wasser ab, mich zum Unterstehen zwingend. Ich meinte, dass das An- und Ausziehen der Regensachen wohl gleich lang dauert, wie die kurzen Pausen irgendwo unter einem Dach. Das Wetter war nämlich reichlich wechselhaft. Am Nachmittag blieb ich dann gar länger wo stehen. Da zog eine Hagelfront durch, und machte nicht nur mich staunend.

 

13. Juni 2024

Tower, Tunnel, Philharmonie - alles mit Elb

Heute steht Hamburg am Plan. Ob ich hinten dann noch ein „er“ anhänge, entscheide ich kurzfristig unterwegs. Jetzt am Morgen ist mir jedenfalls noch nicht nach viel Essen. Ich mag die Morgenfrische genießen. In diese Kühle hineinradeln bei klarem Himmel und etwas Sonne liebe ich sehr. Dieses Gefühl finde ich unbeschreiblich. Wenn dabei die Reifen am Asphalt surren und der Weg abwechslungsreich ist, mag ich fast nicht mehr vom Rad.

 

Recht bald erreiche ich die Häuserblöcke an der Stadtgrenze. Kurz davor kommt mir noch eine Frau entgegen. Mit der einen Hand schiebt sie ihr Rad und hält den Hund an der Leine. Mit der anderen ein Pferd am Halfter und ein zweites an einem langen Strick daneben. Ziemlich gewagt, denke ich mir im Vorbeifahren. Doch Hund und Pferde machen keinen Muckser oder zeigen irgendwelche Anzeichen von Scheuen. Großes Vertrauen also auf allen Seiten. Einen Radfahrer sehen sie hier am Radweg demnach nicht zum ersten Mal.

 

Etwas später höre ich dann Möwengeschrei. Untrüglich, dass ich in Hafennähe angelangt bin. Ich schwimme im Verkehr mit Fußgängern, Radfahrern, Autos und Lastwagen mit, quere jede Menge Brücken über Kanäle, oder mehrmals auch  Meeresausläufer und andere Gewässer im Hafen. Bei der Elbe geht es unten durch. Elbtunnel ist angeschrieben. Und ich fahre wie die anderen auch mit dem Fahrrad in den Lift rein und raus. Die Röhre unten ist rundum weiß gekachelt und hell erleuchtet.

 

Oben passiere ich die ruhende Signa-Baustelle des Elbtowers. Auf einem verlassenen Kai daneben steht ein aufgegebener, bunt besprayter Kran auf im Gras endenden, rostigen Schienen. Vielleicht gar ein Sinnbild zur Zukunft des Towers. Fertig gebaut, auch nach langer Dauer, wurde dafür die Elb-Philharmonie, und ist ein Prachtwerk von Bau geworden. Imposant von allen Seiten, und ein Wahrzeichen zum Staunen. Da geht der Rest von Hamburg grad etwas unter.

 

Übers Land fahrend holt mich am Nachmittag dann wieder etwas Regen ein. Bei einem einsamen Stallgebäude warte ich auf Strohballen sitzend, bis die Wolken abgezogen sind. Die Bäuerin meinte, es sei ein Sauwetter. Doch bisher waren es immer nur kurze Schauer, die mich nicht sehr beeinträchtigten. Um das Dach jetzt, und den windgeschützten Platz, war ich dennoch sehr froh. Ein anderer Radler aus dem Nachbardorf fand dies ebenso.

 

14. Juni 2024

Schöne Wiesenwege und eine kurze Fährfahrt

Gleich am Morgen schon geht es lustvoll dahin. Durch lichten Wald, am Waldesrand, oder auch am Wiesenrand entlang, mit etwas Auf und Ab, kurvig, und bei pastellfarbig blauem Himmel mit einigen weißen Wolken. Später kommen Getreidefelder hinzu. Da ich auf Nebenwegen unterwegs bin, herrscht kaum Verkehr. Hie und da kommen mir einzelne Schüler auf ihren Rädern entgegen. Oder bei ein paar anderen schätze ich, dass sie zum frühen Einkauf irgendwo ein Dorf in der Nähe aufsuchen werden. Ein Morgen am Land. Mir hat er am Rad gefallen.

 

Erst am Nachmittag hat es aufgeklart und ist die Sonne voll durchgekommen. Davor war es kühl und windig. Ich war mit Mütze und Pullover am Weg. Und für die Jause auf einer Bank in einem kleinen Park nahe zu einer Ampel hatte ich mir gar die Weste angezogen. Der Fahrer eines Kleinbusses wünschte mir bei heruntergelassenem Fenster mit einem Daumen nach oben besseres Wetter, und lautstark gute Mahlzeit. Ich fand dies toll. Wir hatten beide Freude an unseren paar Gesten und wenigen Zurufen. Für gute Laune braucht es manchmal nur einen kleinen Anstoß. Die beiden Fahrgäste in seinem Bus schauten jedenfalls auch freudig interessiert zu mir rüber.

 

Eine Zeit lang war das Fahren am Radweg etwas zermürbend. Mich nervten die vielen Holperer wegen der Fahrbahnschäden durch die Wurzeln der Alleebäume entlang des Weges. Doch irgendwann erreichte ich mehr offene Wiesen, und ließ mir den Ärger vom Wind wegblasen. Dieser trieb auch die vielen Windparks hier in der Gegend an. Hie und da waren die Rotoren nur in Weiß oder in Grau gehalten. Doch zumeist hatten sie an den Flügelspitzen breite rotweißrote Banderolen. Die gefielen mir in dieser Landschaft besser als die unifarbenen. In Getreidefeldern stehend, mit hie und da etwas leuchtendrotem Mohn als Aufputz, schaute das bunte Treiben der Rotoren richtig erfrischend aus.

 

Nahe zu Puttgarden war es dann mit der Ruhe der Nebenwege von davor vorbei. Auf die Fähre nach Dänemark wollten nämlich viele andere auch, die auf der autobahnähnlichen Bundesstraße plötzlich daherkamen. Die Radfahrer durften erst als letzte auf die Fähre. Mit mir hatte sich noch eine Familie mit einem kleinen Jungen angestellt. Ich staunte sehr, wie der wohl kaum älter als vierjährige Knirps allein die Rampe hochfuhr, und sich beim Papa erkundigend hinter dem letzten Lastzug platzierte. Mit seinem grünen Helm, der dunklen Brille, und den Radlerhandschuhen sah er profimäßig aus. Beim Zuschauen, wie sich hinter ihm das Schiff verschloss, ist er dann vor Aufregung jedoch fast vom Rad gefallen.

 

15. Juni 2024

Regenwetter und nicht am Rad

Gestern hatte ich einen Radfahrer aus Niederösterreich getroffen. Er war mit dem Bus bis Kopenhagen und von dort südwärts Richtung Elbe unterwegs. Seine Botschaft: In Dänemark bisher mieses Wetter. Und dieses erwartete mich dann so auch heute. Etwas lichte Sonne zwar noch am Morgen, doch dann bald andauernder Starkregen. Ich wollte nicht aufs Rad und mir nasse Füße holen. Dem Regen unter Dach zuschauen passte mir besser. Also heute einfach mal Füße hochlagern und an der weiteren Route feilen. Morgen solle es ja schon wieder besser sein, vielleicht gar länger.

 

16. Juni 2024

Wild am Weg, und ein Pilger auch

Es wäre für mich sicher nur ein Katzensprung, denn es ginge nur flach dahin bis zur Hauptstadt, konnte ich von meinem Vermieter gestern noch hören. Doch heute am Abend bilanzierte ich dann etwas anders. Der flache Teil war nur die erste Hälfte. Auf der zweiten kamen dann leichte Hügel dazu. Beides hat mir auf die jeweils eigene Art gefallen. Beim Flachen das Surren der Reifen und das eher flotte Tempo. Bei den Hügeln die Abwechslung auch landschaftlicher Art, und die kurvenreiche Wegführung. Doch Kopenhagen ist sich mit der von mir gewählten Route bei weitem nicht ausgegangen.

 

Begonnen habe ich auf einem unbefestigten Rad-, Reit- und Wanderweg, der vermutlich mal eine Bahntrasse war. Vom Regen der Vortage war der Untergrund recht weich. Der Sand klebte an den Reifen. Manchmal musste ich durch Pfützen durch. Links und rechts vom Weg war dichtes Gebüsch mit einzelnen Bäumen, ein Blätterdach über die Fahrbahn ausbreitend.

 

Irgendwann sprang kurz vor mir eine Hirschkuh über den Weg, und mit hohen Sätzen durch das niedere Wiesengras Möwen aufscheuchend davon. Entfernt konnte ich dann nur noch ihr weißes Hinterteil im satten Grün erkennen. Etwas näher ist mir dafür eine Meute Hasen gekommen. Die kreuzten aufgeschreckt vor mir gleich mehrfach den schmalen Weg. Und zwei von ihnen kamen mir als „Geisterhasen“ entgegengesprungen. Die wussten in ihrer Not nicht recht wohin, und haben mein Vorderrad fast noch gestreift. Auch bei mir war da der Puls grad etwas höher.

 

Gefallen hat mir ganz besonders, wenn sich bei Wegkreuzungen das Gebüsch auftat und den Blick in die Landschaft frei machte. Wunderbar, wie sich da die Weite unter dem blauen Himmel auftat. Große Felder mit Zuckerrüben, Mais, Raps, Getreide und Kartoffeln. Und nur leicht erhöht mitten durch meine Route.

 

Auf einer mehrere Kilometer langen Brücke kam mir ein anderer Radfahrer entgegen. Er blieb interessiert stehen, und freute sich gleich über beide Ohren, dass ich ihn auf sein Halsamulett ansprach. Er trug nämlich eine große Jakobsmuschel, und war tatsächlich auf dem Weg nach Santiago de Compostela. In Stockholm gestartet will er bis in den Süden zudem möglichst viele Hauptstädte mitnehmen. Mir gab er ein freundliches „Buen Camino“ mit auf den Weg, und als Spanier sowieso.

 

17. Juni 2024

Sightseeing im Touristenstrom

Das Zentrum von Kobe ist am Morgen noch total verschlafen. Nicht mal die Möwen kreischen. Nur ein paar wenige Türen sind offen. Es sind die von den Bäckereien. Doch Kundschaften sind keine zu sehen. Auch ich fahre weiter, und ordne mich dann etwas weiter draußen in den morgendlichen Verkehr ein. Da ist es umtriebiger als im Zentrum.

 

Je näher ich zu Kopenhagen komme, desto mehr Ampeln finden sich. Und typisch städtisch finden sich auch jede Menge Haltegeländer für Radfahrer davor. Viel genutzt werden sie aber nicht. Die meisten sind mit ihren Smartphones am Hantieren, und haben keine Hand mehr frei. Die Fußstützen kommen glaub eher an, auch bei mir. Und noch mehr sind es heute die Bushaltestellen, des Nieselregens wegen. Ich nutze sie, um ein paar Mal unterzustehen. Es sind jeweils nur kurze Regenschauer. Doch als solche entpuppen sie sich erst im Nachhinein.

 

Ganz allein bin ich als Tourist in Kopenhagen jedenfalls nicht. Die Busse stauen sich bei den bekannten Plätzen. Am Hafen stehen sie Schlange bei den Rundfahrtbooten, und bei den Fotohotspots am Nyhavn und dem Kanal natürlich auch. Ich meinte, dass es am frühen Vormittag noch ruhiger sein könnte. Doch dem war bei Weitem nicht so. Und dicht war das Gedränge dann auch bei der kleinen Meerjungfrau bei der Hafeneinfahrt. Die Bronzefigur sei eine der größten Attraktionen Dänemarks. Mich hat jedoch die immergleiche Pose der asiatischen Touristen auf den Ufersteinen fast mehr beeindruckt als die kleine Skulptur.

 

Bei der Stadtausfahrt gönnte ich mir dann eine Einkehr in eines der stylischen Cafés. Eigentlich war ich eher auf etwas Saures aus. Doch der gewählte süße Porridge mit Erdbeeren überzeugte dann sehr. Und beim Joghurt in geriebenem Mandelring mit hauchdünn geschnittenen und leicht angedünsteten Zucchinistreifen staunte mein Gaumen wie auch ich. Sensationell. Und lässig auch die unaufdringliche Hintergrundmusik. Am weiteren Weg der Küste entlang nach Helsingör wurde dann das Wetter zusehends schöner. Und auf der kurzen Überfahrt an Deck des Fährschiffes nach Schweden war es dann untrüglich ein Sommertag. Fast Windstille und Sonnenschein pur. Dänemark kann dies anscheinend auch. Oder zumindest dann, wenn die Grenze zu Schweden nicht weit entfernt ist.