Ab Polen

15. Juni 2026

Nass und windig mit Meeresrauschen

Am Morgen geht ein böiger Wind. Er peitscht den Regen vor sich her. Grauslich, ich mag bei so einem Wetter erst gar nicht vor die Tür. Dabei war es gestern am Abend, bevor der Regen wieder kam, ganz versöhnlich. Am Meer war es mit Sonne wunderbar, nur ziemlich laut. Die Wellen rollten mit Getöse am Sandstrand aus. Ich verschob meinen Start also in den späten Vormittag hinein. Da sollte das Wetter besser sein. Ganz gut wurde es zwar den ganzen Tag nicht. Doch ohne Regenkombi losfahren hat schon auch seinen Reiz. Ich bin um Mütze, Windjacke und Beinlinge froh. Im Hafen waren Segelmaste dicht an dicht zu sehen. Und auch die größeren Boote lagen eng beieinander.

 

Der Radweg war mit kleinen Aststücken und Blättern übersät. Der Wind hatte offensichtlich kräftig an den Bäumen gerüttelt. Die Buchenblätter kamen mir vertraut vor. Doch weitere konnte ich nicht identifizieren. Aber dafür auch niemanden fragen. Die langen Promenaden waren fast menschenleer. Die Strände sowieso. Als Begleitmusik gab es heute ganztägig Meeresrauschen. Richtung Landesinnerem waren immer wieder viele Windräder zu sehen. Sie drehten sich eifrig. Doch auch ich profitierte vom Wind. Er gab mir von hinten kräftig Anschub. Es war zeitweise ein angenehmes Rollen. Weniger angenehm wurde es, als Regenschauer durchzogen. Ich stand in einer Ortschaft bei einem Geschäft unter. Die Rollläden waren geschlossen. Es war so eine Bude, wie sie in den Orten hier an der Küste üblich sind. Alles ist auf Touristik ausgerichtet. Viele Restaurants, Krimskrams- und Souvenirläden. Die Orte zeigen sich ganz anders als all die Tage davor. Es waren auch viele Leute zu sehen. Wobei der Rummel zu Saisonzeiten hier sicher viel ausgeprägter sein wird.

 

Radfahrer gab es auch erstaunlich viele. Ich war mit meiner Regenkombi aber deutlich overdressed. Die anderen fuhren meist in dünnen, flatternden Regenponchos. Einige hatte ich davor schon überholt. Jetzt passierten sie mich an der Straße. Doch irgendwann wurde mir das Rumstehen dann doch zu fad. Ich traute mich in den Regen, und durch die vielen Pfützen. Oft nahmen sie die halbe Fahrbahnbreite ein. Zum Glück zeigten die Autofahrer Verständnis und bremsten im Vorbeifahren. Bei normalem Tempo warfen sie weite Fontänen auf den Radweg. Es dauerte recht lange, bis die Regenwolken abgezogen waren. Der Wind blieb jedoch. Dort wo am Radweg ein Zugang zum Strand frei war, blies er einem feinste Sandkörner ins Gesicht. An diesen Stellen musste ich das Rad auch meist schieben. Es lag zu viel loser Sand am Weg. Akustisch dominierte das Meeresrauschen den ganzen Tag. Und die Wellen flößten mir gehörig Respekt ein. Die ließen es richtig krachen. Mehr als ich am Rad. Denn wegen der Wetter- und Wegverhältnisse war ich heute eher langsam unterwegs. Nicht nur wegen der einen Pause, als ich mir köstliche Walderdbeeren vom Wegesrand gönnte.