20. Juli 2026
Einsame Straßen und Wälder setzen sich fort
Der eine Campingplatz, den ich gestern angefahren bin, hatte leider geschlossen. Doch ich fand ein paar Kilometer weiter an einem Flussufer adäquaten Ersatz. Es kamen abends dann zwar noch ein paar Wohnmobile dazu, doch der Platz war idyllisch gelegen. Wasserrauschen vom Fluss war zu hören, und hie und da auch ein paar Lastwagen von der Straße. Geschlafen bin ich dennoch gut gar noch mit Sonne, und bin mit Morgen dann auch mit ihr aufgewacht.
Die Straße verlief anfangs nahe zum Fluss. Immer wieder schimmerte dessen von der Sonne tiefblau in Szene gesetzte Wasser zwischen den Birken und Fichten durch. Ein visueller Muntermacher am Rad. Später hatte es mich dann über viele Kilometer etwas durchgeschüttelt. Es war eine Straßenbaustelle, die mich mit üblem Belag forderte. Zum Glück war unmittelbar vor mir ein Tankwagen die Straße abgefahren und hatte sie mit Wasser benetzt. Damit hielt sich der Staub in Grenzen. Einmal ragte im Nirgendwo zwischen den Bäumen ein bunter, spitzer Holzturm einer Kirche empor. An der Straße gab es auch ein Hinweisschild: Kyrka war angeschrieben. Gestaunt hatte ich etwas später, als auf einer Wiese bei einem Haus ein Holzgestell zum Heutrocknen aufgestellt war. Handarbeit wie früher, mit Erinnerungen an die Bergwiesen daheim.
Meine Route querte öfters kleine Flüsse. Sie führten dunkles Wasser, das im Gegenlicht der Sonne dennoch faszinierend glitzerte. Von den Brücken war es auch schön anzuschauen, wie das Wasser über die Steine floss und gurgelte. Von einer Erhöhung war kurz die Weite des Landes einsehbar. Wald, soweit das Auge reichte, und sanfte Hügel auch. Die Straßen waren in gutem Zustand. Ich kam flott voran, konnte Kurven schneiden wie ich wollte, und links oder rechts oder in der Mitte fahren. Es gab kaum Verkehr. Als Etappenziel hatte ich auf der Karte einen Rastplatz mit Camping bei einer kleinen Siedlung ausgemacht. Doch auch dieser Platz war geschlossen. Als ich später etwas ratlos in einen Waldweg einbog, erkannte eine Frau mit Fahrrad sofort wonach ich suchte. Sie war am Weg zum Beerensammeln, und lotste mich zu einem idyllischen See etwas abseits im Wald. Eigentlich könne man hier überall schöne Zeltplätze finden, doch gewisse wissen eben nur die Einheimischen vor Ort. Ich war mit ihrem Geheimtipp mehr als nur zufrieden.
21. Juli 2026
Als Same an einem Rastplatz mit Feuerstelle
In der Nacht war es ziemlich kalt. Es fröstelte mich, und ich schlief mit Daunenweste und Beinlingen im Schlafsack weiter. Dafür freute mich dann wieder der Morgen. Ein Kuckuck rief mir von der anderen Seeseite ein paar Mal zu. Ich musste schmunzeln. Vielleicht kann ich einen mal auch in den Bäumen sehen, und nicht nur von dort hören. Für den Vormittag hatte ich einen Einkauf in einem Laden an der Straße geplant. Doch er hatte keine für mich passenden Öffnungszeiten. Und bis in den Nachmittag hinein warten wollte ich nicht. Also hieß es mit meinen Vorräten weiter haushalten.
Nach einiger Zeit ging die Straße in eine Naturstraße über. Die lehmige Oberfläche war glatt und gut zu fahren. Ich kam öfters an kleinen Seen vorbei. Jeder hatte zumindest ein Wochenendhäuschen mit buntem Ruderboot. Doch Leute waren nirgends zu sehen. Auch nicht auf der Straße. Bei einer Fiske-Info blieb ich stehen. Fischen nur mit Erlaubnis, konnte ich darauf lesen, nicht mit Netzen, dann auch nicht vom Boot aus, nur im Sommer, und nur mit einer Angelroute pro Person. An dieser Vorgabe bin ich gescheitert. Ich war ohne unterwegs. Also fuhr ich wieder durch die weiten Wälder weiter. Das einsetzende leichte Tröpfeln währte zum Glück nicht lange.
In einer langen Abfahrt ließ ich mich vom Wind wieder durchtrocknen. Ich wunderte mich, wie viele Höhenmeter ich vorher hochgefahren war. Und staunte, wie ungewohnt schnell und steil es zu einem großen Stausee mit mächtiger Staumauer hinunter ging. Dass ich auf der anderen Seite dann wieder etwas hochzufahren hatte, war nicht eingeplant. Ich stärkte mich vorher noch mit Blaubeeren vom Straßenrand. Oben machte ich bei einem Rentiergatter Pause. Davor war eine Feuerstelle mit Sitzgelegenheit auf rohen Rundlingen angelegt. Ich genoss diese Atmosphäre, und kam mir wie ein einheimischer Same vor, halt jetzt als einer von der schwedischen Seite.